Cold brewed Tonic Sirup

Tonicwater selber herstellen ist nicht schwierig, wie da geht, verrät Euch Doc Joe RG in diesem Beitrag. Außerdem verrät er, was man bei einem richtig guten GT beachten sollte.

Mal ganz ehrlich, was kommt euch in den Sinn, wenn ihr nach bekannten Longdrinks gefragt werdet? Cuba Libre, ok…Campari Orange, na klar…Wodka Lemon, bestimmt…Whiskey Cola sicherlich. Der aber zweifelsohne bekannteste Longdrink von allen ist auch unser Favorit: der „Gin und Tonic“!

Cocktail, Longdrink oder Highball?

Ein Gin und Tonic, bei dem, wie der Name schon induziert, Gin und Tonic Wasser auf Eiswürfeln zusammen mit einem Limettenstück oder einer Limettenzeste in einem Longdrinkglas serviert werden, ist zweifelsohne der Barklassiker. Auch Billy Joel hat diesem Getränk in seinem Song „Piano Man“ eine Strophe gewidmet. „It’s nine o’clock on a Saturday the regular crowd shuffles in. There’s an old man sitting next to me makin‘ love to his tonic and gin.

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Was macht einen Gin Tonic (oder auch G and T) so besonders. Nun ja, meiner Meinung nach sind es zwei Dinge. Erstens, einen Gin Tonic kann jeder im Handumdrehen zubereiten. Zweitens, und dies ist natürlich der wichtigere Grund, bei einem Gin Tonic werden zwei Zutaten mit einander vereint, die in perfekter Harmonie stehen und sich wunderbar ergänzen. Das Chinin, welches für das Bittere im Tonic Wasser verantwortlich ist, wird durch die verschiedenen Gin Aromen abgerundet und erscheint auf einmal weniger bitter. Natürlich spielt bei einem guten Gin Tonic, die Qualität und der vorrangige Geschmack des Gins eine wichtige Rolle, so dass auch ein Gin Tonic unter Verwendung ein und desselben Tonics immer unterschiedlich schmecken kann. Allerdings kommt, wie bei keinem anderen Longdrink, der nicht-alkoholischen Komponente, also dem Tonic, eine herausragende Bedeutung zu.

Ein Gin Tonic ist übrigens Cocktail, Longdrink und Highball in einem. Cocktail, weil ein Gin Tonic aus mindestens zwei Zutaten besteht, wobei eine alkoholisch ist. Longdrink, weil er sich als alkoholischer Drink mit einem relativ großen Volumen darstellt und Highball, weil die nicht-alkoholische Komponente die alkoholische übersteigt.

Und was hat Gin jetzt mit Indien zu tun?

Indien hat mit der Produktion von Gin erst einmal recht wenig zu tun, allerdings wurde Anfang des 19. Jahrhunderts hier der bekannteste aller Gin-Longdrinks erfunden – quasi aus der Not heraus. Die in Indien stationierten englischen Soldaten nahmen Chinin zu sich, um der Krankheit Malaria vorzubeugen. Um die tägliche (bittere) Dosis Chinin geschmacklich erträglicher zu gestalten, fügten sie Wasser, Zucker und Zitrone hinzu und später folgte dann Gin: die Geburtsstunde des Gin & Tonic.

Gin Tonic Zutaten – was geht und was geht nicht?

Eigentlich ist das Kreieren eines Gin Tonics denkbar einfach. Es bedarf nur eines qualitativ hochwertigen Gins, eines guten Tonic Wassers sowie einiger Eiswürfeln. Na klar, das Stück Limette kann auch noch hinzugefügt werden, ist aber nicht immer ein Muss. Wenn es allerdings darum geht, welche weiteren Zutaten in das G and T Glas gehören streiten sich die Geister. Ich persönlich bin ein Verfechter der „gurkenfreien Zone“. Für mich gibt es kaum eine so „neutrale“ Zutat wie die Gurke und wir reden ja hier von der Schlangengurke.

Je nach Gin und Tonic Typ passen für mich bspw. Zeste oder kleine Stücke von Zitronen oder Orangen (Geheimtipp: die asiatische Yuzu) sowie Minzblätter, Rosmarinzweige, Blau- oder Himbeeren einfach besser. Aber auch Basilikum- oder Salbeiblätter, Zitronengras eine kleines Stück Birne oder Ingwer können eine echte Bereicherung sein. Wichtig ist nur, dass das, was neben dem Gin und dem Tonic ins Glas kommt, den Geschmack nicht verfälscht sondern eher begleitet, aufwertet oder verstärkt. Ein eher mediterran ausgebauter Gin (bspw. aus Spanien), wird sich bestimmt über einen kleinen Rosmarinzweig freuen, während ein eher fruchtiger Gin (bspw. aus England) für eine Blau- oder Himbeere dankbar sein wird. Aber auch hier gilt, neben dem Gin muss auch das Tonic mit den weiteren Zutaten harmonieren.

Die Dosierung

Für einen Gin & Tonic gilt die allgemeine Regel: ein Teil Gin (also bspw. 5cl) wird mit vier Teilen Tonic (also bspw. 20cl) gemischt. Allerdings gibt es auch „GINnoisseurs“, die Gin und Tonic im Verhältnis Eins zu Eins mischen und genießen. Generell ist es natürlich jedem selber überlassen, in welchem Mischverhältnis er seinen Gin Tonic genießen möchte. Wer allerdings den Gin Geschmack stärker in den Vordergrund rücken möchte, sollte mit dem Tonic eher sparsam sein.

Gin & Tonic (my way)

  • 5cl Gin (fruchtig oder trocken)
  • 15cl Tonic (trocken/neutral)
  • 1 Minzblatt
  • 1 Limettenzeste
  • 1 Blaubeere
  • 1 Himbeere

In ein Becherglas oder Tumbler drei bis vier Eiswürfel geben und das Minzblatt, die Himbeere, die Limettenzeste und eine angedrückte Blaubeere hinzufügen. Mit Gin und anschließend mit Tonic auffüllen und kurz mit einem Barlöffel vorsichtig umrühren.

„Erfolgsfaktor“ Tonic

Mit Zunahme der Gin Vielfalt ist auch das Angebot an (guten) Tonics stetig gewachsen und das ist wichtig. Ähnlich wie bei den Gins können auch die am Markt erhältlichen Tonics geschmacklich kategorisieren werden. Die Einordnungen in eine bestimmte Kategorie kann bspw. in Abhängigkeit der intensivsten Komponente vorgenommen werden. Folgende geschmacklichen Kategorien lassen sich bei Tonics abbilden:

  • „Bitter“
  • „Süß“
  • „Neutral / ausgewogen“
  • „Fruchtig“
  • „Floral“

Es sollte daran gedacht werden, dass die Einordung eines Tonics in nur eine feste Kategorie generell schwierig fällt, da Tonics, genauso wie Gins, sehr vielschichtig sein können. So können am Markt erhältliche Tonics, bitter, süß und gleichzeitig fruchtig sein. Gleichzeitig bedeutet die Einteilung in eine Kategorie nicht ein „besser“ oder „schlechter“, da die Präferenz für ein Tonic sehr unterschiedlich sein kann und natürlich immer im Verhältnis zu seinem Gegenspieler, dem Protagonisten Gin gesehen werden muss.

Ein durchschnittlicher Gin kann mit einem guten Tonic aufgewertet werden, allerdings verliert ein guter Gin mit einem unterdurchschnittlichen Tonic deutlich an Substanz.

Im Allgemeinen gilt: weniger ist mehr. Lieber weniger Tonic verwenden, dafür aber auf die qualitativ hochwertigen Produkte setzen. Insbesondere die oftmals günstigeren „Zuckerbomben“ sind nicht immer die erste Wahl für einen guten Gin Tonic.

Kalt gebrautes Tonic Sirup – eine Klasse für sich

Für alle die, die den Aufwand nicht scheuen und die einen besonderen Gin mit einem besonderen Tonic „aufwerten“ wollen, habe ich ein Rezept für ein richtig gutes Tonic Sirup zusammengestellt.

Nachdem ich viel mit gekochten Tonic-Sirup herum experimentiert habe – mit Ergebnissen, die ich als ok bezeichnen würde –, bin ich eher zufällig auf das Thema Cold brewed Tonic Sirup gestoßen und habe hieraus mein eigenes Rezept entwickelt.

Bitte denkt daran, dass der Herstellungsprozess an sich nicht so lange dauert aber die „Aromatisierungszeit“ fünf Tage in Anspruch nimmt.

Cold brewed Tonic Sirup

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Zutaten

Zuckersirup:

  • 600 ml weiches Wasser
  • 1000 Gramm feinster Zucker

Zutaten für Tonic (Stufe 1):

  • 1000 ml weiches Wasser
  • 40 g China-Rinde
  • 80 g Zitronensäure (Pulver)
  • 3 Bio-Zitronen (die Schale)
  • 4 Bio-Limetten (die Schale)
  • 2 Bio-Orangen (die Schale)
  • 4 Stängel Zitronengras
  • 5 Pimentkörner
  • 5 Kardamomkapseln
  • 1 Scheibe frischen Ingwer
  • 1 Scheibe frische Galgant Ingwer
  • ¼ Teelöffel Salz

Zubereitung

  1. Den Abrieb von 3 Bio-Zitronen, 4 Bio-Limetten und 2 Bio-Orangen (jeweils vorher gut gewaschen) in ein großes Drahtbügelglas (zwei Liter) geben. 40 Gramm Chinarinde, 80 Gramm Zitronensäure, fünf Pimentkörnen und fünf geöffnete (!!!) Kardamomkapseln hinzufügen. Vier Stängel Zitronengras in 3-4cm lange Stücke schneiden und bspw. mit einem Fleischplattierer andrücken. Das angedrückte kleingeschnittenen Zitronengras mit einer Scheibe frischen chinesischen Ingwer, einer Scheibe frischen Galgant-Ingwer (gibt es im Asia-Shop) sowie ¼Teelöffel Salz zu den anderen Zutaten in das Drahtbügelglas geben. Ein Liter weiches (!!!) Wasser hinzugeben, alles gut umrühren, Glas gut verschließen und an einem kühlen und dunklen Ort (bspw. Kühlschrank) lagern. Einmal am Tag gut durchrühren oder durchschütteln. Nach dem fünftägigen „Aromatisierungsprozess“ ist die Mischung bereit zur Weiterverarbeitung.
  2. Was jetzt folgt ein etwas aufwändiger aber notwendiger Filterungsprozess. Die Tonic Mischung erst einmal durch ein grobes und anschließend durch ein feines Küchensieb filtern. Danach bspw. durch ein Mandelmilchsieb filtern. Wer dieses nicht besitzt, kann auch auf Kaffeefilter zurückgreifen. Im Anschluss die Tonic Mischung noch ein letztes Mal durch ein Sieb, das dreifach mit weißen Küchentüchern ausgelegt ist, filtern.
  3. Parallel 600 Milliliter weiches Wasser mit 1000 Gramm feinsten weißen Zucker kurz (!) aufkochen und rühren, bis ein klarer Zuckersirup entstanden ist. Diesen zur Seite stellen und abkühlen lassen, bis der Zuckersirup nur noch eine Maximaltemperatur von 60 Grad Celsius hat.
  4. Den Zuckersirup und das Tonic-Gemisch zusammen schütten, gut umrühren und in heiß sterilisierte Bügelflaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Das Tonic Sirup hält sich dort anstandslos bis zu 6 Monaten.

Tipp

Das Tonic Sirup sollte im Mischverhältnis 1:4 (z.B. 40ml Tonic-Sirup zusammen mit 160ml Mineralwasser) verwendet werden. In diesem Fall hat es die Intensität eines handelsüblichen Tonics.

Zu guter Letzt: Pimp your Gin Tonic

Auch wenn ein guter Gin Tonic in der Regel für sich selbst steht, so könnt ihr diesem dennoch eine leicht andere Note verleihen, indem ihr Sirups verwendet. Hier bieten sich natürlich unsere beiden „Klassiker“ Rhabarber-und Waldmeistersirup an. Beide Sirups ergänzenden Gin Tonic, ohne ihn seiner Identität zu berauben. Einfach, wie sonst üblich, einen Gin Tonic mixen und zum Schluss mit 1-2 cl Rhabarber-oder Waldmeistersirup toppen. „Der Gin Tonic wird besonders ohne sich selber aufzugeben.“

Gin Tonic mit Rhabarbersirup

Glücklicher Omoxx Chef mit einem – beinahe Gin Tonic…aber mein Tonic Sirup sieht fast genauso aus J

 

[Gesamt:8    Durchschnitt: 3.8/5]
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