Wie Münchens Small Batch Destillerie Achternbusch das Beste aus der Pandemie macht

Mit Kreativität durch die Krise

COVID und Co. haben uns nach wie vor fest im Griff. Bars sind weiterhin geschlossen und für Restaurants ist bis dato nur das Take-Away- und das Lieferanten-Geschäft erlaubt. Die Gastro-Szene muss seit nunmehr einem Jahr mit riesigen Herausforderungen kämpfen und mit tiefen Einschnitten leben. Wie aber stellt sich aktuell die Situation für unsere lokalen Destillerien dar? Wir haben die kleine aber feine Destillerie Achternbusch im Münchner Westen besucht und beim Eigentümer und Betreiber Korbinian mal den Puls gefühlt.

Von Umsatzzuwachs bis geht so

Sind Münchens und Bayerns Destillerien eigentlich die Krisengewinner oder die Krisenverlierer? Pauschal lässt sich diese Frage schlichtweg nicht beantworten. Während einige größere und etablierte Brennereien ihre eigene Online-Präsenz stetig ausgebaut haben oder ihre Produkte bei Drittanbieter bei Suchanfragen weit oben stehen, fehlt es den Kleineren der Branche hierfür oftmals schlichtweg an finanziellen Mitteln und oder an Marketingkapazitäten. Ja, der Online-Handel mit Spirituosen hat zwar während der Corona-Krise spürbar zugelegt, allerding nicht für jeden der Branche.

Hinzu kommt, dass das Gastro- und Bargeschäft für den Spirituosenabsatz quasi auf null runtergefahren wurde und nicht durch den Privatkonsum kompensiert werden konnte. Außerdem sind lukrative Einnahmequellen, wie der Verkauf und die Verkostung auf Messen und Vorort (in der Destillerie selber), weggefallen. Online-Tastings befinden sich auf dem aufsteigenden Ast sind aber längst nicht so zuträglich, wie die nicht-virtuellen Verkostungen. Dementsprechend gibt es in der aktuellen Pandemie zwar auch einige Krisengewinner – viele der Klein- und Kleinst-Produzenten von Spirituosen gehören jedoch nicht dazu.

Darüber hinaus sehen wir mittlerweile auch einen erhöhten lokalen und regionalen Verdrängungswettbewerb. Während vor etwa fünf Jahren die Münchner Gins noch an zwei Händen abgezählt werden konnten, hat sich auch hier das Angebot mittlerweile mehr als verdoppelt. Was macht also jemand, der das Aushängeschild „Münchner Gin“ maßgeblich mitgeprägt hat aber jetzt nicht zu den Großen der Branche gezählt werden kann? Wir haben uns mal bei der Destillerie Achternbusch umgeschaut.

Der Münchner Westen als Wiege für spannende Neuentwicklungen

Natürlich kennen wir als Pasinger Korbinian Achternbusch und seinen feel! Gin schon seit seinen Anfängen, denn seine Destillerie liegt nur einige Gehminuten von der omoxx Hauptzentrale entfernt.  Als der feel! Gin vor etwa 9 Jahren das Licht der Welt erblickte, war er einer von damals wenigen Münchner Gins und einer von noch wenigeren Münchner Gins mit Bio Zertifikat. Seitdem ist in der Destillerie viel passiert – auch räumlich hat man sich vergrößert.

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Gin ist nach wie vor ein Trend-Getränk. Allerdings sehen sich die kleinen lokalen Produzenten nicht mehr nur dem großen internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Durch das zunehmende Angebot von lokalen Gins, (einige von ihnen werden sogar in größeren Destillerien lohngefertigt), hat auch Rivalität auf der regionalen Ebene zugenommen. Dies ist eine Entwicklung, die auch Korbinian als einen Trend erkennt.

Sicherlich ist dies auch ein Grund dafür, warum die Achternbusch Destillerie versucht, sich mit neuen und spannenden Produkten und besonderen Events vom Wettbewerb abzuheben. Differenzierung und Diversifizierung lässt sich jedoch nicht auf Knopfdruck umsetzen, zumal auch der Wettbewerb nicht schläft und viele Kunden oftmals erst zu althergebrachten Dingen greifen, bevor sie sich für Neues öffnen oder sich experimentierfreudig zeigen. Wie aber genau steht es bei Destillerie Achternbusch um das Thema Differenzierung und Diversifizierung? „Eigentlich gut“ müsste die Antwort lauten, wäre da nicht diese verflixte Pandemie.

Sowohl die Destillerie-Besichtigungen mit anschließenden Tastings, die Firmenevents im Pasinger Destillerie-Keller, die Cocktailkurse Vorort als auch Veranstaltungen auf Messen lassen sich für Korbinian und sein Team seit Corona nicht mehr umsetzen. Das ist nicht nur sehr schade für die (potentiellen) Kunden, denn die Destillerie von Korbinian ist super gelegen und kann gut zu Fuß zu erreicht werden, da sie nur zwei bis drei Gehminuten vom Pasinger Bahnhof entfernt ist. Es hat natürlich auch Auswirkungen finanzieller Natur zur Folge, die für so einen kleinen Betrieb auch schon mal das Siegel „existenzbedrohend“ tragen können. Da stellt sich die Tatsache, dass eine von der Achternbusch Destillerie teuer bestellte Bar, dem Corona-Konkurs zum Opfer gefallen ist, schon fast als vernachlässigbar dar.

Ich finde es umso erstaunlicher, dass sich Korbinian trotz aller Negativmeldungen nicht aus der Fassung bringen lässt, weiterhin seine positive Mentalität behält und obgleich aller Unwägbarkeiten seinen Weg als lokaler „Spirituosen-Botschafter“ verfolgt. Ja mehr sogar noch, denn obwohl Korbinian, laut eigener Angaben, aktuell nur von seinen Ersparnissen lebt, hört der leidenschaftliche Pasinger Destillateur nicht auf kreativ zu sein. Die angesprochene Differenzierung und Diversifizierung gibt es dann halt eben mal in „Flaschenform“.

Mein Fass, dein Fass, Gin im Fass

Wer den feel! Gin kennt, weiß wie gut ein eher klassischer biozertifizierter Dry Gin sein kann. Als Slow-Food und Slow-Drink Verfechter wissen wir es natürlich umso mehr zu schätzen, wenn ein so harmonischer und ausdrucksstarker Gin nur wenige Gehminuten von uns entfernt im Small Batch Verfahren handwerklich gefertigt wird.

Was aber macht jemand, der so einen spannenden Dry Gin als sein Erstlingswerk kreiert hat, wenn es um das Thema Nachfolgeprodukte geht? Und wie könnten diese aussehen? Mit diesen zwei Fragen hat sich augenscheinlich auch Korbinian intensiv auseinandergesetzt. Mit drei sehr unterschiedlichen Produkten hat er scheinbar die passenden Antworten gefunden. Und wer den jungen Destillateur und seinen feel! Gin kennt, konnte irgendwie schon erahnen, dass er nicht unbedingt den Pfad des Mainstreams beschreiten wird. Genau dieser „Nicht-Mainstream-Pfad“ steht bei seinen neueren Produkten im Vordergrund. Das macht nicht nur seine Produkte sehr sympathisch.

Fangen wir doch mal mit dem Ginfusion Birne an, den es mittlerweile schon seit gut einem Jahr auf dem Markt gibt. Mit diesem Produkt rennt Korbinian Achternbusch natürlich offene Türen bei mir ein und nicht nur deshalb, weil ich mich selber gerne als „Fusion-Fanatiker“ bezeichne. Aber was genau wurde eigentlich fusioniert? Genau zwei Spirituosen wurden hier auf harmonische Weise im sogenannten Infusionsverfahren (ist einigen von euch vielleicht noch vom Brauen von Bier her bekannt) zusammengeführt: ein Craft Gin und ein Williams Birnen Obstbrand. Als Basisalkohol für den Gin wurde im Übrigen österreichischer Maisspiritus verwendet. Hört sich im ersten Moment vielleicht etwas verrückt an ist aber geschmacklich echt ein Knaller. Auch für mich, der jetzt nicht so sehr auf Obstbrände steht. Wer bei dem Ginfusion Birne an einen einfachen Apres-Ski-Hütten-Willi denkt, sieht sich massiv getäuscht. Sowohl der Charakter vom Gin als auch der vom Obstbrand blieben erhalten und bieten ein spannendes Aromaspektrum mit klaren Birnennoten, einer feinen Maissüße sowie leichten Zitrusnuancen. Der Ginfusion Birne überzeugt durch seine Milde und seinen harmonischen Ansatz und wirkt dabei nach ohne spirituosig scharf zu sein. Für jeden Frucht- und Birnenfreund ein Muss.

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Fassprobe

Und dann gibt es bei der Achternbusch Destillerie seit wenigen Monaten noch zwei Spirituosen aus dem Fass – nein kein Rum und auch keinen Whisky, das wäre ja fast schon wieder Mainstream –  sondern einen Gin und einen Ginfusion. Diejenigen von euch, die mich kennen, wissen wahrscheinlich auch wie kritisch ich dem Thema „fassgelagerter Gin“ gegenüberstehe. Nicht weil ich glaube, dass Gin nichts im Fass zu suchen hat, sondern vielmehr, weil Gin aus dem Fass immer eine geschmackliche Gratwanderung darstellt und weil guter fassgereifter Gin nicht immer einfach zu finden ist. Die Fragen aller Fragen lautet also: was können die beiden Achternbusch Spirituosen aus dem Fass so?

Fangen wir mal mit dem Ginfusion Smokey an. Es gehört schon viel Mut und sicherlich auch ein bisschen Verrücktheit dazu, eine Ginfusion Birne für Acht Monate in ein Laphroaig (Islay Whiskey) Fass zu legen. Doch genau dies hat Korbinian getan. Und was soll ich sagen, sein Mut und seine Verrücktheit haben sich gelohnt, denn der Ginfusion Smokey ist echt was Besonderes geworden. Ja, man muss schon geschmacklich experimentierfreudig sein, denn Birnenaroma in Kombination mit Rauch und Torf ist schon speziell. Und auch eine fassstärke Spirituose ist vielleicht nicht jedermanns Sache – denn immerhin kommt Ginfusion Smokey mit einem Alkoholvolumen von 58,8% daher. Ich persönlich finde die Komposition absolut gelungen und für mich gewinnt der Ginfusion Smokey sogar noch ein wenig dazu, wenn man ihn mit einem Hauch Wasser verdünnt.

Ja und dann war da noch der Rosé Gin… Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mir bislang nur ganz wenige Gins über den Weg gelaufen sind, die in einem Rotweinfass gelegt wurden. Und an die Gin-Lagerung in einem Zweigeltfass hat sich bis dato noch niemand ran getraut. Vielleicht war ich auch deshalb so sehr gespannt auf den Output. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Der Rosé Gin ist nicht nur ein handwerklich richtig gut gemachter Gin, vielmehr ist er ein Mega-Vertreter seiner Zunft. Er überzeugt durch seine hohe Aromenvielfalt und Komplexität ohne seinen ursprünglichen Gin-Charakter aufzugeben. Die achtmonatige Zweigeltfasslagerung hat dem feel! Gin nicht nur schöne Holz-, Honig- und Vanillearomen verliehen, sondern auch tolle zusätzliche Fruchtnuancen. Diese reichen von Heidelbeere, über Hibiskus bis Mirabelle und wurden vom Rotweinfass in sehr ausdrucksvoller Weise an den Gin weitergegeben. Auch optisch im Glas ist dieser bernsteinfarbige Gin ein echter Hingucker. Für mich ist der Gin Rosé einer der besten fassgelagerten Gins der letzten Zeit – sehr vielschichtig, harmonisch und alles außer langweilig.

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Ausblick

Uns haben die neuen Destillate einfach wieder mal viel Spaß bereitet. Und auch wenn die aktuelle Pandemie zweifelsohne bei der Achternbusch Destillerie seinen Spuren hinterlassen hat, zwei Sachen kann sie dem jungen dynamischen Destillateur nicht nehmen: Authentizität und Kreativität.

Natürlich können und dürfen wir nicht allzu viel verraten, allerdings wären wir auch nicht omoxx, wenn wir euch nicht zumindest ein bisschen „anteasern“ dürften. Korbinian hat noch ein bisschen was in Petto und nur so viel wollen wir verraten: diesmal geht es nicht um Gin aber dafür wieder um etwas fassgelagertes…und es hat irgendwas mit Mexico zu tun. Mehr wird aber jetzt nicht verraten, außer, dass es geschmacklich sehr spannend wird und wir uns schon sehr auf den Release freuen.

Bitte unterstützt in diesen herausfordernden Zeiten unsere „lokalen Helden“ und schaut nach dem Lockdown doch ruhig mal bei uns im Münchner Westen vorbei – gerne auch für ein Gin-Tasting oder eine Destillerie-Besichtigung bei Korbinian ;-)

 

Infos:

Achternbusch Destillerie GmbH

https://www.feel-gin.de/

 

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