Negroni – klassischer Gin-Cocktail mit süß-bitterem Flair

Der Negroni ist ein klassischer Gin-Cocktail mit (über) hundertjähriger Geschichte. Da dieser nur aus drei Hauptzutaten in gleichen Mengenverhältnissen besteht, kann er einfach und schnell gemixt werden – auch ohne große Cocktailerfahrung. Der Negroni mit seiner rubinroten Farbe ist ein idealer Aperitif mit angenehmen, süßen Fruchtbitteraromen, passend für jede Jahreszeit.

Italien oder Senegal?

Wie bei vielen klassischen Gin-Cocktails ist auch bei dem Negroni der Ursprung nicht hundertprozentig geklärt. Es gibt Quellen, die behaupten, dass der Negroni das erste Mal in 1919 in Florenz, Italien im Caffè Casoni (heute Caffè Roberto Cavalli) vom Bartender Fosco Scarselli serviert wurde. Fosco Scarselli wurde angeblich von seinem Kunden Graf Camillo Negroni dazu aufgefordert, seinen Lieblingscocktail, den Americano, etwas stärker zu gestalten und anstelle von Sodawasser Gin hinzuzufügen. Die Geburtsstunde vom Negroni? Nun ja, das ist nicht sichergestellt, denn eine andere Quelle sagt, dass der französische General Pascal Olivier de Negroni den klassischen Cocktail bereits in 1857 im westafrikanischen Senegal erfunden hat.

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Ist der französische General Pascal Olivier de Negroni der wahre Erfinder des Negroni? (Quelle: wikipedia.org)

Was für Cocktail-Historiker und potentiellen Negroni-Erben vielleicht von Bedeutung ist, sollte für uns keine Rolle spielen. Denn entscheidend ist hier das Ergebnis und das spricht für sich selber: Ein rubinroter Cocktail, der seine drei Hauptzutaten Gin, Wermut und Campari harmonisch und gleichermaßen in den Vordergrund stellt. Aufgrund seiner süßen Fruchtbitteraromen stellt er den idealen appetitanregenden Aperitif dar – egal ob im französischen Feinschmeckerrestaurant oder in der Lieblingspizzeria um die Ecke.

Auch wenn die drei Hauptbestandteile des Negroni im gleichen Maße Verwendung finden, so kommt meiner Ansicht nach dem Wermut eine besondere, teilweise unterschätzte, Rolle zu.

Wermut, was für ein Kraut

Für einige von euch ist Wermut (international auch als Vermouth bezeichnet) sicherlich ein essentieller Bestandteil in Küche und Bar. Für den Dry Martini Cocktail benötigt ihr ihn genauso wie für einige bekannte Saucen oder Fischgerichte. Aber Vermouth ist nicht gleich Wermut und es gibt nicht nur zahlreiche Hersteller und Varianten (von Weiß bis Rot, von trocken bis süß) sondern auch erhebliche Qualitätsunterschiede, welche ausschlaggebend für das Gelingen eines guten Negroni sein können

Wermut - wichtig für einen Negroni

Eine Flasche vom Erfinder des Wermuts: Carpano (Quelle: wikipedia.org)

Aber was genau ist eigentlich Wermut? Nun ja, als Wermut wird ein weinhaltiges Getränk bezeichnet, welches mit Gewürzen und Kräutern aromatisiert wurde und einen unterschiedlich hohen Zuckergehalt aufweisen kann. Der vorgeschriebene Alkoholgehalt liegt dabei zwischen 14,5 und 21,9 Volumenprozent. Namensgeber für den Wermut ist das gleichnamige Kraut, das sogenannte „Wermutkraut“ (lateinisch: Artemisia absinthium), das, wie der lateinische Name induziert, auch im Getränk der grünen Fee, dem Absinth, Verwendung findet. Dieses Kraut ist auch genau das, was den Wermut so bitter, kräftig und aromatisch schmecken lässt. Das Wermutkraut wurde bereits in der Antike und später verstärkt im Mittelalter als Heil- und Gesundheitspflanze für die unterschiedlichsten Leiden eingesetzt. Übrigens: Im Mittelalter wurde Wermut auch als Abwehrmittel gegen die Hexerei verwendet.

Wermut als Getränk wurde 1786 in Turin, Italien von Antonio Benedetto Carpano erfunden. Ursprünglich sollte der Zusatz von Kräutern und Gewürzen dazu dienen die unangenehmen Aromen qualitativ minderwertiger Weine zu kaschieren.

Nachdem Wermut einige Zeit in der Versenke verschwunden war, scheint er aktuell aber wieder mehr Zuspruch zu finden. Heute gibt es zahlreiche Wermutmarken, wobei die bekanntesten aus Italien und Frankreich kommen. Für das Gelingen eines guten Negronis sollte auf qualitativ hochwertige Produkte, die in der Regel nicht im Supermarkt zu finden sind, zurück gegriffen werden.

9cl Alkohol, nicht bestimmt für jedermann

rubinroter Negroni aus Gin Wermut und Campari

Der rubinrote Negroni beschränkt sich bei seinen Zutaten auf die drei alkoholischen Komponenten Gin, Campari und Wermut. Dieses bedeutet aber auch, dass er nicht ganz ohne ist. Die Süße erhält der Negroni vom roten, süßen Wermut, genauso wie vom Campari. Ebenso erhält er seine Bitteraromen von diesen beiden Getränken. Je nach Wahl des Gins erhält der Negroni seine Fruchtkomponenten von allen drei Getränken. Ich persönlich mag den Negroni deshalb besonders gerne, weil er die Kombinationsfähigkeit von Gin mit bitteren Aromastoffen besonders betont.

Negroni – klassischer Gin-Cocktail

Negroni (in Anlehung an das Original IBA Rezept)

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Zutaten

  • 3 cl Gin
  • 3 cl Campari
  • 3 cl Roter süßer Wermut
  • Orangenstück oder -zeste Bio

Zubereitung

  1. In ein breites Becherglas oder Tumbler drei bis vier Eiswürfel geben. Gin, Campari und Wermut zu gleichen Teilen hinzufügen und mit einem Barlöffel einmal vorsichtig umrühren. Mit einer Orangenzeste oder einem kleinen Stück Orange dekorieren.
  2. Bei dem ursprünglichen Negroni wurde als Gin der klassischer London Dry verwendet, was völlig in Ordnung ist. Wenn ihr allerdings noch ein wenig das fruchtige Aroma vom Negroni in den Vordergrund rücken wollt, dann könnt ihr auch gerne einen „Youthful / Fruity“ Gin verwenden.

Tipp

1: Wie jeder Cocktail lebt auch der Negroni von der Qualität seiner Zutaten. Eine besondere Bedeutung kommt hier dem Wermut zu (siehe oben). Wer einen „besonderen“ Negroni genießen möchte, sollte einen roten Wermut wählen, der aus der normalen Masse heraussticht und nicht in jedem Supermarkt zu bekommen ist.

2: Wer gerne den bitteren Charakter des Negroni stärker zu Geltung bringen möchte, kann einen Spritzer Bitter oder auch Orange-Bitter (beispielsweise Angostura oder Bitter Truth) hinzugeben. Aber Vorsicht: übertreibt es nicht, da es sonst auch unangenehm bitter werden könnte.

3: Mit einigen Spritzern Zitronensaft könnt ihr dem Negroni noch ein bisschen mehr Frische und Fruchtigkeit „einhauchen“.

4: Anstatt den Negroni auf Eiswürfel in einem Tumbler zu servieren könnt ihr ihn auch in einer Martinischale ohne Eis servieren. Dafür vorher alle Zutaten sehr kurz in einem Cocktailshaker auf Eis schütteln und in eine Martinischale abseihen (ohne Eis).

Negroni betont die Kombinationsfähigkeit von Gin

Salute Negroni und auch für den guten Zweck.

Als klassischer Gin-Cocktail mit (über) hundertjähriger Geschichte und italienischen (oder auch französischen) Wurzeln überzeugt der Negroni mit angenehmen süßen Fruchtbitteraromen. Er passt zu jeder Jahreszeit, also auch jetzt wunderbar im kalten Winter.

Ihr könnt den Negroni sehr gut als Aperitif bei Eurem Lieblingsitaliener, als Solo-Cocktail in einer hippen Bar oder zuhause selber gemixt, zu welchem Anlass auch immer, genießen. Da er nur aus drei Hauptzutaten in gleichen Mengenverhältnissen besteht, ist er einfach und schnell zubereitet.

Übrigens: Seit 2013 gibt es einmal im Jahr im Juni die sogenannte  Negroni Woche (Negroni Week) nach dem Motto: „Negroni trinken für den guten Zweck“:

“Negroni Week is a celebration of one of the world’s great cocktails and an effort to raise money for charitable causes around the world.” (https://negroniweek.com/)

Von 2013 bis 2017 wuchs die Negroni Woche von ursprünglich 100 teilnehmenden Restaurants, Bars, Kneipen etc. auf über 7.700 in der ganzen Welt und bis heute wurden 1,5 Mio. US$ für den guten Zweck gesammelt.

Na da trinke ich doch gerne einen Negroni – Salute.

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Liquid Expert, Weltenbummler, Fusion-Fanatiker – genießen mit allen Sinnen.

Doc JoeRG liebt Gin, Sake und Rum und zaubert aus wenigen Zutaten geile Cocktails. Er kümmert sich bei omoxx um die eher geistreichen Artikel.

1 Kommentar

  1. Campari ist so mit der einzige Alk, den ich nicht mag. Aber ein Negroni ist schon was feines.

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