Die Gin Geschichte – wie alles begann

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Expert barman is making cocktail at night club.

Unser beliebtes Wachholderdestillat ist wortwörtlich in aller Munde und schwimmt sich auf einer Erfolgswelle. Doch das war nicht immer so! Die Geschichte des Gins geht ein paar Jahre zurück und  hatte auch schon etwas dunklere Zeiten erlebt.

Wer hat den Gin erfunden?

Die Geschichte vom Gin ist verbunden mit vielen Hochs und Tiefs. Sie ist mehr als 400 Jahre alt, auch wenn es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wer letztendlich der Erfinder des Gins war.

Vermutlich war der Holländer Franciscus de la Boe, seines Zeichens Professor der Medizin, der Urvater des „botanisch aromatisierten Alkohols“, der heute besser bekannt ist als Gin. De la Boe nannte das Getränk wegen des herausragenden Wachholdergeschmacks damals „Essence de Genièvre“. Später wurde daraus Genever.

Woher kommt Gin?

In dem heutigen Gin-Land Nummer Eins England wurde Genever bekannt, als William of Orange III den Thron bestieg. William forcierte und stimulierte die eigene Produktion von Genever, den er von seinen Reisen mitgebracht hatte und belegte gleichzeitig die importierten alkoholischen Getränke mit hohen Einfuhrzöllen und Steuern. Eine Lizenz zum Brauen des Genevers bedurfte es in England nicht. Aus dem Begriff Genever wurde im Laufe der Zeit dann Gin – dies war einfacher für die Engländer auszusprechen.

Leider entsprach die Qualität des englischen Gins anfänglich nicht der des holländischen Genevers und so trat die Schattenseite (vor allem in London) zu Tage: Zwischen 1720 und 1751 war Gin populärer und günstiger als Bier und wurde als billiger qualitativ extrem minderwertiger Fusel überall und quasi an jeden ausgegeben. Dies führte zu zunehmender Kriminalität, sinkenden Geburtsraten, Siechtum und erhöhten Todesraten. In 1773 wurden bspw. ca. 45 Mio. Liter Gin legal in London hergestellt – dies entsprach 53 Liter Gin pro Person pro Jahr(!)

1751 trat ein sog. „Gin Act“ in Kraft, bei dem bestimmt wurde, dass Destillien ihren Gin nur an lizensierte Barbesitzer verkaufen durften. Gleichzeitig wurde die Alkoholsteuer erhöht. Dieses führte zu einem kontrollierten Verkauf, einer verbesserten Qualität und einer zunehmenden Reputation der Brennereien. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die negativen Auswirkungen des übermäßigen Gin Konsums normalisiert. Viele der heute noch bekannten englischen Brennereien stammen übrigens aus dieser Zeit.

Die steigende Qualität des Alkohols ist im Übrigen einer Erfindung von Aeneas Coffey zu verdanken. Im Jahre 1830 stellte er seinen „kontinuierlichen Destillierapparat“  vor. Mit diesem war es möglich, einen leichten und reinen (zweifach mit Botanicals destillierten) Alkohol herzustellen, der die Basis des heute bekannten „London Dry Gin“ darstellt.

Warum war und ist Gin so beliebt?

In den 20er bis 60er Jahren hatte Gin seine „Hochphase“, nicht auch zuletzt durch die steigende Popularität bei US amerikanischen Stars und Sternchen. Außerdem wurden in dieser Zeit auch die heute noch weltbekannten Gin-Klassiker Cocktails wie bspw. der Dry Martini „entwickelt“.

Martini - geschüttelt nicht gerührt

Die Erfolgsgeschichte vom Gin ist allerdings nicht ununterbrochen, den Ende der 60iger Jahre tauchte plötzlich und zunehmend Wodka in den Bars, Hotels und Restaurants auf. Dieser löste die Vormachtstellung des Gins ab. Gin galt von da an als „old-fashioned“, „langweilig“ und ganz und gar nicht mehr hip.

Dieses Image änderte sich – dankenswerter Weise  – Ende des 20. Jahrhunderts als einige wenige englische Destillieren (wie bspw. Bombay Saphire, Hendricks und Tanqueray) dank guter Marketingstrategien und neuer Rezepturen einen „Gin Relaunch“ schafften.

Wo finde ich guten Gin?

Heute gehört Gin – oder vielleicht sollte ich sagen guter Gin – zu den angesagten Spirituosen und ist auf (fast) jeder Cocktailkarte oder Speisekarte (in der Kategorie Aperitifs oder After-Dinner Drinks) zu finden. Selbst im „gewöhnlichen“ stationären Einzelhandel lassen sich zunehmend außergewöhnliche und gute Gins finden.

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